Projektübersicht

Juristisches Teilprojekt

Prof. Dr. Steffen Augsberg

Projektleiter (Rechtliches Teilprojekt)

Justus-Liebig-Universität Giessen
Professur für Öffentliches Recht

Christina von Lauppert, Ass. Iur.

Wissenschaftliche Mitarbeiterin (Rechtliches Teilprojekt)

Justus-Liebig-Universität Giessen
Professur für Öffentliches Recht

Das rechtliche Projekt beginnt mit einer theoretischen Erklärung des Begriffs juristischen Wissens und insbesondere der Art und Weise, wie das Gesetz bestimmte Fakten ignoriert. Von dort geht es weiter zu einer umfassenden Analyse der Situation de lege lata. Hier wird eine Grundrechtsperspektive Aufschluss über individuelle Gründe für eine gewissenhafte Unwissenheit geben, die dann den gesetzlichen Bestimmungen, insbesondere der Gesetzlichen Krankenversicherung (GKV), gegenübergestellt werden. Diese Normen orientieren sich am Grundprinzip der Solidarität, woraus u.a. folgt, dass der bestehende Gesundheitszustand gegenüber den Versicherungsgesellschaften nicht offengelegt werden muss. Es ist die Arbeitshypothese des Projekts, dass beide Argumentationslinien – die individuelle wie die kollektive – kombiniert werden können und sich gegenseitig ergänzen. So tragen sie dazu bei, festzustellen, ob und wo das Gesetz in seiner jetzigen Form eine gewissenhafte Unwissenheit zulässt oder fordert.

Ethisches Teilprojekt

Dr. Matthias Braun

Projektleiter (Ethisches Teilprojekt)

Friedrich-Alexander-Universität Erlangen-Nürnberg
Lehrstuhl für Systematische Theologie II (Ethik)

Max Tretter

Wissenschaftlicher Mitarbeiter (Ethisches Teilprojekt)

Friedrich-Alexander-Universität Erlangen-Nürnberg
Lehrstuhl für Systematische Theologie II (Ethik)

In Bezug auf die Solidarität existiert die tiefverwurzelte Vorstellung, dass Solidarität zumindest eine gewisse Unsicherheit erfordert. An dieser Vorstellung knüpft das ethische Teilprojekt an, indem es bestehende normative Diskurse über das Verhältnis von Solidarität und deren jeweilige Verflechtung mit Graden von Gewissheit befragt.

  • Die erste Aufgabe behandelt die epistemologische Frage, inwieweit solidarische Gabe-Handlungen durch die Versprechen neuer KI-generierter Gewissheitsgrade in Frage gestellt werden.
  • Eine zweite Aufgabe besteht darin, im Detail herauszuarbeiten, inwieweit der klinische Einsatz von KI das Vertrauen in Institutionen – als einer Voraussetzung für Solidarität – in Frage stellt.
  • Die dritte Aufgabe beschäftigt sich mit den sich verändernden Formen der individuellen und kollektiven Steuerbarkeit in Zeiten des klinischen Einsatzes von KI. Wir haben bereits eine mehr oder weniger scharfe (kulturell tradierte) Vorstellung von individuellen Möglichkeiten der Steuerung – wie z.B. das Recht auf Nichtwissen, Ansprüche auf Transparenz oder Verantwortung und Haftung –, die notwendige Voraussetzungen darstellen um nicht nur freie Entscheidungen treffen zu können, sondern auch um zu entscheiden, unter welchen Bedingungen solidarisches Geben Ausdruck individueller Freiheit ist. Eine wichtige Frage wird sein, wie diese Formen der Kontrollierbarkeit herausgefordert werden, wenn sie nicht nur Unsicherheitsgrade zu bewältigen haben, sondern auch mit der Idee eines wachsenden Korpus von (postulierter) Gewissheit konfrontiert werden. Während dies allein schon eine komplexe Problematik darstellt, werden die Dinge noch komplizierter, wenn wir über Modi der kollektiven Steuerbarkeit und deren Einbettung in mehr oder weniger scharfe Konzepte von Räumlichkeit und Zeitlichkeit nachdenken.

Empirisches Teilprojekt

Prof. Dr. Nora Szech

Projektleiterin (Empirisches Teilprojekt)

Karlruher Institut für Technologie
Lehrstuhl für Politische Ökonomie

David Ehrlich, M.Sc.

Wissenschaftlicher Mitarbeiter (Empirisches Teilprojekt)

Karlsruher Institut für Technologie
Lehrstuhl für Politische Ökonomie

CwiC untersucht die normativen und verhaltenswissenschaftlichen Herausforderungen im Umgang mit den neuen Möglichkeiten zur Prädiktion in und mit KI an der Schnittstelle von Wissenschaft, Gesellschaft und Technologie. Die Fähigkeit, zukünftige Entwicklungen mit beispielloser Genauigkeit vorauszusehen, betrifft dabei viele – wenn nicht gar alle – Bereiche des gesellschaftlichen Lebens.
Insbesondere im Gesundheitssektor ermöglicht die neue Art der Prognose eine wesentlich präzisere Planung, stellt andererseits aber auch zentrale Bezugspunkte in Frage: Individuelle Selbstkonzepte, unsere allgemeine Unterscheidung zwischen Krankheit und Gesundheit, sowie traditionelle Normen, wie etwa den Begriff der grundlegenden Solidarität, wie er auch mit Blick auf Konzepte der gesellschaftlichen Absicherung fundamental ist.
Im CwiC Teilprojekt Ökonomie wird der Umgang mit KI daher anhand der verhaltenswissenschaftlichen Perspektive genauer untersucht. Wie gehen Individuen mit den neuen Möglichkeiten um? Sind bessere Prognosemöglichkeiten überhaupt willkommen, oder eher nicht? Werden Konzepte von Versicherung in Frage gestellt oder verändert?
Die Nachfrage nach und Akzeptanz von präziserer Information durch den Einsatz von KI ist vermutlich stark normativ geprägt. Deshalb interessiert uns auch die Frage, wie soziale Information – insbesondere normativer Art – den Umgang mit KI beeinflusst. Um verhaltenswissenschaftliche Effekte zu untersuchen, führen wir am KD2-Lab des KIT ökonomische Studien durch. Die TeilnehmerInnen treffen dort incentivierte Entscheidungen – also Entscheidungen, die reale Konsequenzen haben, beispielsweise monetärer Natur – um eine hohe Validität der beobachteten Ergebnisse zu gewährleisten.